„Concession à perpéuité“ – „Konzesssion auf Dauer“ – steht auf vielen zerfallenen Gräbern im Pariser Friedhof Père Lachaise. Das hatten sich die hier Ruhenden sicher anders vorgestellt. Die Herren (ja, Frauennamen sind selten dabei) hielten sich offenbar für sehr wichtig und wollten sichergehen, dass auch künftige Generationen noch voller Ehrfurcht an ihrer Grabstätte über diese bedeutende Person nachdenken würden.

Doch das Gedächtnis der Nachwelt kann man nicht kaufen und Zuneigung und Liebe erst recht nicht. Spätestens nach drei Generationen lebt niemand mehr, der den Verblichenen noch persönlich gekannt hat. Bei Familiengräbern spielt das keine große Rolle – die hier später bestatteten Nachkommen garantieren eine gewisse Mindestpflege der Grabstätte. Doch oft sieht es anders aus – um die umgestürzten Gräber der damals so wichtigen Herren Senatoren, Generäle, Richter und Anwälte kümmert sich heute niemand mehr. Trümmerfelder des Vergessens.

Doch es gibt auch Gräber, die über Jahrhunderte hinweg gepflegt wurden. Von Menschen, denen dieser lang Verstorbene wichtig war. Was zeichnet diese Gräber aus? Der künstlerische Wert einer Grabstätte spielt da sicher eine Rolle – wer damals in den richtigen Grabgestalter investierte, hat sich ein klein wenig „Unsterblichkeit“ gesichert.

Doch eine größere Rolle spielt wohl, ob man etwas hinterlassen hat, was sich in das Gedächtnis der Nachwelt eingegraben hat. Etwas, das heute Lebenden noch soviel bedeutet, dass sie sich mit einem Menschen verbunden fühlen, der vor vielen Jahren gelebt hat.

Es sind eindeutig nicht die Politiker, Generäle oder Rechtsanwälte. Um deren Gräber kümmert sich allenfalls die „Staatsräson“, wenn die Herren einen Platz in den Geschichtsbüchern erobern konnten. Falls nicht, ist der Zerfall vorprogrammiert .

Bessere Chancen haben die Dichter und Denker. Doch sobald jemand aus dem Literaturkanon des Bildungsbürgertums herausgefallen ist dauert es nicht mehr lang, bis auch sein Grab zur Ruine wird. Bei den Künstlern dürfte es ähnlich sein: spätestens wenn die Bilder des Verstorbenen von Auktionshäusern nicht mehr angenommen werden ist es nur eine Frage der Zeit, bis keiner mehr beim Grab vorbeischaut.

Bei Forschern und Erfindern gibt es offenbar so etwas wie einen posthumen „Zweiten Frühling“. Da ist jemand zu Lebzeiten berühmt, gerät in Vergessenheit – um irgendwann von späteren Generationen wiederentdeckt zu werden. Was letztlich auch dem Grab zugute kommt.

Ein Beispiel dafür ist der „Vater der Speläologie“ , der Pariser Rechtsanwalt E.A.Martel, der sich um 1900 als Höhlenforscher mit spektakulären Forschungsreisen einen Namen machte, aber bald vergessen war. Erst 2017,  79  Jahre nach seinem Tod, brachte der Speleo Club Paris an seinem Grab eine Gedenktafel an.

Die bestens Chancen für eine dauerhafte Grabpflege haben nach unseren Beobachtungen KomponistInnen und MusikerInnen (hier ist das Gendern angebracht). Die meisten historischen Gräber, die es auf die Informationstafeln der Pariser Friedhöfe geschafft haben, gehören ihnen. Und in Wien erst recht.

Hier eine kleine Auswahl:

Das Grab von Frederic Chopin auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise

Das Grab von Edith Piaf auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise

 

„À Perpétuité“ – Gräber für die Ewigkeit

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